Mein letzter Wille – eine neue Brille

eS  gibt Menschen, die eine Brille brauchen, damit sie besser, oder überhaupt was sehen können. Das ist nichts ungewöhnliches. Es gibt auch andere Menschen, die brauchen eine Brille, um intelligenter zu wirken, das find ich krass. Aber was soll´s, ist mir so ziemlich egal, wenn es ihnen Spaß macht und vor allem, wenn sie so viel Knete übrig haben, die sie den Optikern in den Rachen schieben können. Wer jedoch auf so ein Nasenfahrrad angewiesen ist, ist auch oft geplagt und wird von mir mit einem aufrichtigen Bedauern bedacht. Wenn ich sehe, wie sich manch einer mindestens 500 Mal am Tag das Gerät auf der Nase zurecht rücken muss, wie er durch verschmierte Gläser blinzelt, um sie dann umständlich zu putzen, wenn rein gar nichts mehr zu sehen ist, oder einer versucht vergeblich etwas zu entziffern, bis er merkt, dass er dazu seine Brille bräuchte sie aber partout nicht finden kann, obwohl er sie auf dem Kopf hat, dann habe ich echtes Mitleid mit diesen bedauernswerten Menschen. Einige meiner Kollegen und Bekannten legen sehr viel Wert auf ihr zweites Augenpaar, es muss modisch, teuer und IN sein. Ein paar jedoch legen auf derartige Äußerlichkeiten nicht so viel bzw. keinen Wert. Die tragen dann 7,8 oder 10 Jahre lang dasselbe Gestell. Bis es nicht mehr repariert werden kann oder der Optiker sich weigert, zum 5. Mal neue Gläser hineinzubasteln. Oder weil die Ehefrau oder Lebensabschnittsbegleiterin droht, ihn zu verlassen, wenn er sich nicht ne neue Brille holt. Dann ist guter Rat teuer, oder ein guter Freund, der ihn dann bei diesem schweren Gang begleiten soll. So bin ich dann letzte Woche mit meinem Kumpel zum Optiker gelatscht, um ihn beim Aussuchen einer neuen Brille zu beraten. Ausgerechnet ich! Aber was tut man nicht alles fürn alten Kumpel. Außerdem war ich ebenfalls der Meinung, dass es wirklich an der Zeit wäre. Das ehemals gute Stück, das er seit etlichen Jahren auf der Nase trägt, hat ausgedient.  Wobei ich schon immer der Meinung war, dass er beim Kauf desselben wirklich schlecht beraten war, was ich ihm auch immer wieder sagte. Das ist vermutlich nun auch der Grund gewesen, dass ich ihm helfen sollte, etwas passables zu finden. Wir standen also beim Optiker seines Vertrauens und hatten die Qual der Wahl. Das Ganze zog sich ca. 2 lange Stunden hin, in denen ich mehr als einmal gerne Reißaus genommen hätte. Immer wenn ich glaubte, er hat sich jetzt entschieden, hatte er schon wieder ein anderes Gestell entdeckt, das er probieren musste. Und ich musste ihm dann immer sagen, wie es aussieht, weil der arme Kerl sich im Spiegel doch nur mit seiner Brille mit den richtigen Gläsern scharf sehen konnte! Ist das nicht entsetzlich? Da ist einer auf Gedeih und Verderb auf das Urteilsvermögen von jemand anderem angewiesen, nur weil er seine Brille nicht auf hat. Ich habe mein Bestes gegeben. Obwohl, ich hatte an dem Tag meine Brille nicht auf…

schaumirindieaugenkleines

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